Mit der Revision der VDA 19.1 (2025) rückt neben der klassischen Grenzwertprüfung erstmals das prozessnahe Monitoring der Technischen Sauberkeit deutlich stärker in den Fokus. Hintergrund sind die steigenden sicherheitskritischen Anforderungen moderner Technologien – von Elektromobilität über Fahrerassistenzsysteme bis hin zum autonomen Fahren. Die neuen Rahmenbedingungen verlangen Prüfmethoden, die schnell, mobil, praxisnah und trendfähig sind.
Die Komponenten moderner Fahrzeugtechnologien, insbesondere im Bereich der E-Mobilität und des autonomen Fahrens, arbeiten in hochsensiblen Funktionsbereichen. Hochvolt-Systeme, kamerabasierte Sensorik und zunehmend trockene Fertigungsprozesse erfordern Sauberkeitsanforderungen, die sich an kritischen Schadmechanismen wie Leitfähigkeit, Härte oder optischer Blockade orientieren. Damit wird die Technische Sauberkeit vom „Qualitätsmerkmal“ zum sicherheitsrelevanten Zeichnungseintrag mit faktischem Prüfcharakter. Gleichzeitig nimmt die Zahl großer, schwerer oder empfindlicher Bauteile zu, für die klassischen Laboranalysen kaum geeignet sind.
Die neue VDA 19.1 (2025) unterscheidet zukünftig klar zwischen verschiedenen Aspekten.
Die standardisierte, VDA-konforme Sauberkeitsprüfung am repräsentativen Prüfgegenstand, die primär für die Produktfreigabe und den Spezifikationsnachweis dient.
Fertigungsbegleitende Prüfungen, die häufig, schnell und trendfähig sein müssen.
Zulässig sind:
Auch nicht-VDA-konforme Methoden sind zulässig, sofern sie reproduzierbar und konsistent eingesetzt werden. Insbesondere trockene Extraktionsmethoden wie die Saugextraktion, das Stempeln oder die Sedimentation erweitern die Auswahl geeigneter Analysemethoden erheblich.
Alle Monitoringmethoden bestehen grundsätzlich aus zwei Schritten: Extraktion und Analyse.
✔ VDA‑konform, sehr aussagekräftig
✘ langsam, laborgebunden, zerstörend – daher nicht prozessnah
✔ mobil und zerstörungsfrei
✔ VDA‑konform
✘ Analysezeiten im Labor
✔ sofortige mobile Ergebnisse
✔ ideal für Trend‑ und Prozessmonitoring
✘ begrenzte Probenträgerfläche, nicht zur Spezifikationsprüfung geeignet
✔ bauteilnah, zerstörungsfrei
✔ besonders geeignet für Quellenanalyse
✘ teilflächenbezogen, je nach Auswertung nicht mobil
✔ ideal zur Überwachung der Montageumgebung
✘ zeitaufwendig (bei Mikroskopie)
✔ mit Lichtoptik deutlich schneller
✔ sofortige Ergebnisse, ideal für Schichtalarme
✔ mobile Extraktion
✘ Partikelvermessung nicht vollständig VDA‑konform → nicht für Spezifikationsnachweis
→ VDA‑konforme Sauberkeitsprüfung (ggf. inkl. Materialbestimmung mit REM/EDX oder IR).
→ Trockene Extraktionen + mobile Lichtoptik oder Echtzeit‑Zähler.
→ Sedimentationsmethoden und bauteilnahes Stempeln.
Wichtig: Reproduzierbarkeit sicherstellen, Startparameter dokumentieren, Trends visualisieren.
Die Inhalte der neuen VDA 19.1 sollen wie zuvor in die ISO 16232 überführt werden; entsprechende Arbeiten dazu sind bereits angelaufen. Wer sich am Gelb/Rotband 2025 ausrichtet, ist für die kommende Harmonisierung gut vorbereitet.
Die Revision der VDA 19.1 macht deutlich, dass technische Sauberkeit heute ein aktiver Regelkreis und kein finaler Labortest ist. Mithilfe mobiler, schneller und trendfähiger Monitoringmethoden lassen sich Prozesse stabilisieren, Risiken minimieren und Spezifikationsverletzungen frühzeitig erkennen. Die neuen Freiheiten, insbesondere die Zulässigkeit nicht VDA-konformer Methoden für das Monitoring, eröffnen Fertigungsbetrieben völlig neue Möglichkeiten.
Newsletter Anmeldung