Konformität von Prüfergebnissen

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Was bedeutet Konformität? Warum spielt Messunsicherheit eine Rolle? Und wie entscheidet ein Labor, ob ein Ergebnis „bestanden“ oder „nicht bestanden“ ist?

"Konformität von Prüfergebnissen" einfach erklärt

In vielen technischen, industriellen oder wissenschaftlichen Bereichen sind Prüfungen ein zentraler Bestandteil der Qualitätssicherung. Doch ein Messergebnis allein sagt noch nicht aus, ob ein Produkt oder Bauteil die festgelegten Anforderungen tatsächlich erfüllt. Diese Bewertung erfolgt im Rahmen der sogenannten Konformitätsbewertung. In diesem Artikel erklären wir leicht verständlich, wie ein Labor gemäß ISO/IEC 17025:2018 und DAkkS-Vorgaben zu einer Konformitätsaussage gelangt. CleanControlling beschreibt die Vorgehensweise bei der Bewertung der Konformität von Prüfergebnissen im Dokument FB 35-74, das der Akkreditierung zugrunde liegt. 

CleanControlling - FB 35-74

Was bedeutet "Konformitätsbewertung"?

Im Grunde beantwortet die Konformitätsbewertung  ine einfache Frage: 

“Hält das gemessene Ergebnis die geforderte Spezifikation ein – ja oder nein?”

Spezifikationen können beispielsweise sein: 

  • Normen
  • gesetzliche Grenzwerte
  • technische Standards
  • kundenseitige Anforderungen 

Das Labor vergleicht dazu den gemessenen Wert dazu mit dem festgelegten Grenz- oder Zielwert. Das Ergebnis der Bewertung ist immer eindeutig:

konform (erfüllt) oder 
nicht konform (nicht erfüllt)

Wenn nur die Messwerte ohne Bewertung benötigt werden:

In manchen Fällen wünschen Kunden lediglich die Messwerte, ohne eine Aussage zur Konformität. Dies ist beispielsweise bei reinen Ist-Stand-Analysen oder Entwicklungsprojekten sinnvoll. 

In solchen Fällen gilt: 

  • Das Labor liefert nur die Messergebnisse.
  • Keine Grenzwertbetrachtung, keine Entscheidungsregel.
  • Die Interpretation übernimmt der Auftraggeber. 

Im Prüfbericht wird deutlich darauf hingewiesen, dass keine Konformitätsaussage getroffen wurde.

Was ist eine Entscheidungsregel – und warum ist sie wichtig?

Eine Entscheidungsregel legt fest, wie das Labor bei der Konformitätsbewertung mit der Messunsicherheit umgeht. 

Warum das wichtig ist: 
Jede Messung ist mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Eine Entscheidungsregel definiert einen Bereich, in dem der wahre Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt. 

Beispiel: 
Ein Messergebnis liegt bei 98, der Grenzwert beträgt 100 und die Messunsicherheit liegt bei ± 5 
→ Der wahre Wert könnte somit zwischen 93 und 103 liegen. 

Die Entscheidungsregel beantwortet die Frage: 
„Wird die Messunsicherheit bei der Konformitätsbewertung berücksichtigt oder nicht?“ 

Welche Entscheidungsregeln kommen zum Einsatz?

Es werden drei mögliche Vorgehensweisen beschrieben: 

a) Vorgaben aus Normen oder Spezifikationen 

Existiert eine verbindliche Entscheidungsregel (z. B. in einer Norm), wendet das Labor ausschließlich diese an. 

b) Kundenspezifische Regeln nach ILAC G8 

Kunden können – schriftlich – auch eigene Vorgaben definieren, z. B.: 

  • spezielle Sicherheitsabstände
  • individuelle Risikobetrachtungen
  • asymmetrische Entscheidungsbereiche 

Das Labor dokumentiert dies dann explizit im Prüfbericht. 

c) Standardverfahren: Einfache Akzeptanz 

Wenn keine Vorgaben existieren, nutzt das Labor die einfache Akzeptanz

Es zählt ausschließlich der Messwert – die Messunsicherheit wird für die Bewertung NICHT berücksichtigt. 

Das bedeutet: 

  • Liegt der Messwert innerhalb des Grenzwerts → konform.
  • Liegt er außerhalb → nicht konform

Die Messunsicherheit wird dennoch intern ermittelt und gespeichert.

Die sieben Bewertungsfälle einfach erklärt

Das Dokument FB 35-74 “Konformität von Prüfergebnissen” von CleanControlling zeigt typische Situationen im Umgang mit Grenzwerten beim Verfahren „Einfache Akzeptanz“. Aus der Abbildung 1 sind die sieben Fälle (A bis G) auf einem Blick ersichtlich.

Wichtig beim Standardverfahren ist: Es zählt nur der Messwert, nicht die Unsicherheit. Deshalb fallen die Fälle C und D noch als konform aus, obwohl die Unsicherheit den Grenzwert erreicht.

Warum Transparenz so wichtig ist

Die in ISO/IEC 17025:2018 geforderte Dokumentation stellt sicher, dass: 

  • die Entscheidungsregel klar beschrieben ist,
  • Kunden nachvollziehen können, wie die Konformität bewertet wurde,
  • Fehlentscheidungen minimiert werden. 

Durch die transparente Darstellung wird deutlich: 
Konformitätsbewertungen sind immer systematisch und regelbasiert – nicht subjektiv. 

Fazit

Die Konformitätsbewertung ist ein essenzieller Schritt, um Messergebnisse richtig einzuordnen und Qualitätsansprüche sicher zu erfüllen. 

Das vorliegende Verfahren sorgt dafür, dass: 

  • die Vorgehensweise verständlich dokumentiert ist,
  • Entscheidungen nachvollziehbar und reproduzierbar sind,
  • Kundenvorgaben berücksichtigt werden können,
  • der Umgang mit Messunsicherheit klar geregelt ist. 

Damit bildet es die Grundlage für eine transparente und hochwertige Prüfdienstleistung. 

Sie haben Fragen zur Konformitätsbewertung?

Wir erläutern Ihnen gerne die Hintergründe. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

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